5. Bildungsbereiche und Entwicklungsziele
Bildungsbereiche und Entwicklungsziele bei der Betreuung und Förderung der Kinder in den ersten drei Lebensjahren
Die Bedeutung des Spielens
„Das Spiel ist die höchste Form der Forschung“ Albert Einstein (1879-1955)
Für Kleinkinder ist das Spielen die Grundlage für ihre weitere Entwicklung. Im Spiel erkunden die Kinder aktiv ihre Umwelt. Sie spielen mit allen Dingen und Materialien, welche für sie in greifbarer Nähe sind. Sie nehmen sie in die Hand, sehen sie sich von allen Seiten an, stecken sie mit Vorliebe in den Mund und probieren aus, was man mit ihnen machen kann. Dabei werden ihre geistigen und körperlichen Fähigkeiten, ihre Wissbegierde, Ausdauer und Konzentration immer mehr ausgebildet und differenziert. Die Kinder erhalten die Möglichkeit, sich in den verschiedenen Bildungsbereichen „spielend“ auszuprobieren. Wir stellen verschiedene Materialien wie z.B. Naturmaterialien und Alltagsgegenstände) zur Verfügung und steuern Ideen bei. Gerade bei unseren kleinen Kindern steht das „BE-GREIFEN“ mit allen Sinnen im Mittelpunkt. In unserer pädagogischen Arbeit fördern wir folgende Schwerpunkte:
Die Kinder erhalten die Möglichkeit im Freispiel ihre individuellen Spielideen, ihre Fantasie, Gefühle und Erlebnisse auszuleben.
Im Freispiel werden gefördert:
Ø Fantasie und Kreativität
Ø Grobmotorik und Feinmotorik
Ø Selbstständigkeit
Ø Kognitive Fähigkeit
Ø Sprachfähigkeit
Ø Kontakt –und Konfliktfähigkeit
Ø Experimentieren
Ø gemeinsames Erleben
Ø Rollenfindung
Ø Wissensvermittlung
Innerhalb des freien Spieles gibt es Gruppenregeln, welche die Kinder nach und nach anerkennen und Schritt für Schritt erlernen.
Soziale und emotionale
Kompetenz
Die sichere Bindung zur primären Bezugsperson ist ausschlaggebend für eine positive Entwicklung der sozialen und emotionalen Kompetenzen. Das
pädagogische Personal fördert und stärkt diese Kompetenzen z.B. beim täglichen Morgenkreis, bei Geburtstagsfeiern in der Gruppe, bei der Brotzeit, bei den täglichen Wickelsituationen sowie bei
gemeinsamen pädagogischen Angeboten wie zum Beispiel bei dem Erzähltheater (Kamishibai). Die Kinder erleben sich in einer Gemeinschaft und knüpfen Kontakte zu Gleichaltrigen. Sie erleben sich als
eigenständige Person und entwickeln die Fähigkeit, ihre Gefühle und Bedürfnisse wahrzunehmen und diese auch nach Ihrem Empfinden auszudrücken. Im Spiel mit anderen Kindern kann es zu
Auseinandersetzungen kommen, aus welchen die Kleinkinder erste Lösungsstrategien erproben können, wenn notwendig mit Unterstützung der pädagogischen Fachkraft.
Von Geburt an ist das Kind mit den wichtigsten Voraussetzungen ausgestattet, Sprache zu erwerben. Jedes Kind erlernt Sprache in seinem individuellen Tempo. Wir fördern den Bildungsbereich Sprache durch gemeinsames Sprechen miteinander, Singen von Liedern, Fingerspielen, Bilderbüchern und Geschichten. Die Kinder erfahren, dass sie durch Sprache ihre Bedürfnisse, Erlebnisse und Gefühle ausdrücken können.
Kognitive und lernmethodische Kompetenzen
In den ersten drei Lebensjahren lernen Kinder so viel und so schnell wie sonst kaum mehr. Säuglinge und Kleinkinder erkunden aktiv als
Forscher und Entdecker ihre Umwelt. Das eigene „Tun“ das Ausprobieren und Experimentieren steht dabei im Vordergrund. Wir geben den Kindern die Möglichkeit ein positives Selbstbild als aktiv
lernendes und eigenständiges Kind entwickeln zu können. Durch unsere Beobachtungen erfahren wir die Interessen und Bedürfnisse der einzelnen Kinder und greifen diese immer im Alltag mit
auf.
In diesem Bereich erkunden und erschließen sich die Kinder ihre Umwelt und lernen mit allen Sinnen. Lernen mit allen Sinnen in den ersten drei Lebensjahren ist die Grundlage von Bildung. Kinder machen dazu eigenständige Erfahrungen, dass sie etwas erschaffen und verändern können. Wir unterstützen die Kinder in ihrem Prozess und ermutigen sie kreativ zu werden. Deshalb bieten wir verschiedene Materialien (z.B. Alltagsgegenstände, Leuchttisch, verschiedene Papiere zum Schneiden, Farben, Stempeln, Knete, Kleister…) an, die den Kindern je nach eigenem Bedarf zur Verfügung stehen. Die Kinder erhalten in Angeboten die Möglichkeit mit den verschiedenen Materialien (z.B. Wasser, Leuchttisch, Naturmaterialien) zu experimentieren.
Bewegung
In den ersten Lebensjahren ist Bewegung ein wichtiges Erfahrungsmittel, von dem es abhängt, in welcher Art und Weise das Kind Eindrücke aus seiner Umwelt aufnimmt und verarbeitet. Die Kinder erleben durch Bewegungen, Erkenntnisse über sich selbst, sie lernen Fähigkeiten kennen, sie lernen, sich selbst einzuschätzen und entwickeln so die Voraussetzung für ein positives Selbstbild und Selbstvertrauen. Die Kinder haben die Möglichkeit sich in der gesamten Krippe frei zu bewegen. Auch das Spielmaterial und das große Außengelände animieren die Kinder zur Bewegung. Gezielte Bewegungsangebote werden in Kleingruppen in der Turnhalle im Kindergarten sowie auch außerhalb durch
Spaziergänge angeboten.
Musikalische Bildung und Erziehung
In den ersten drei Lebensjahren wird durch die musikalische Bildung und Erziehung die sozialen Kompetenzen, das aktive Hören, die
Sinneswahrnehmung, das Gefühlsleben sowie die Kreativität, die Sprache und das Körperbewusstsein gefördert. Die Freude am Singen und Musizieren wird bei den Kindern geweckt. Ebenso wird ein
Rhythmusgefühl entwickelt und zeitgleich in Bewegung und Tanz umgesetzt. Daher begleiten uns Lieder, Gesang und Tanz durch unseren
Gruppenalltag. Zusätzlich bereitet Musik den Kindern und den Erziehern eine Menge Freude.
Mathematische Bildung
In der Kinderkrippe lernen die Kinder spielerisch mathematische Inhalte aus ihrem Alltag kennen. Dazu gehören das tägliche Zählen der Kinder im Morgenkreis die da sind, geometrische Begrifflichkeiten und Formen, welche erkundet und erforscht werden. Darüber hinaus bieten wir den zweieinhalb bis fast dreijährigen Kindern Tischspiele an, welche durch erstes Zählen und erkennen der Formen ihre Freude und Wissbegierde zum Erkunden, Lernen und Ausprobieren wecken.
Gerade in der Kinderkrippe ist das gemeinsame Frühstücken ein tägliches Ritual, welches durch eine entspannte und angenehme Atmosphäre begleitet
wird. Essen bedeutet Nahrungsaufnahme, also die Befriedigung eines wichtigen Grundbedürfnisses von Kindern. Die Kinder können das Essen sehen, riechen, schmecken und fühlen. Essen macht Spaß und
ist eine sinnliche Erfahrung. Daher dürfen auch die Finger dazu benutzt werden, Essen in den Mund zu befördern. Wir geben den Kindern früh die Möglichkeit, selbstständig einen Löffel in der Hand
zu halten um z.B. eigenständig den Joghurt zu Essen. Hier beachten wir den Ansatz der Pädagogin Maria Montessori: „Hilf mir es selbst zu tun.“ Die Kinder benötigen bei uns eine eigene Brotzeit
sowie einer eigenen Trinkflasche. Süßigkeiten sind erlaubt, sollen aber nicht die Hauptmahlzeit sein. Auch das gemeinsame Mittagessen fördert das Gemeinschaftsgefühl der Kindergruppe und stillt
das Grundbedürfnis der Kinder.
Körperpflege
Die Kinder freuen sich, wenn sie sich im Spiegel erkennen. Die Kleinstkinder sollten schon früh ermutigt werden, soweit es möglich ist, sich selbstständig zu pflegen. Dazu zählen für uns das Hände und das Gesicht zu waschen. Beim Wickeln und/oder beim Toilettengang können sie angenehme Körpererfahrungen machen. Das Händewaschen gehört vor und nach dem Essen, sowie nach dem Toilettengang wesentlich zur Körperhygiene der Kinder und wird im Tagesablauf täglich wiederholt und gefestigt. Das Wickeln ist eine sehr intime Situation zwischen Kind und Erzieherin. Durch den Hautkontakt (z.B. An- und Ausziehen) und das Eincremen erfährt das Kind Zuwendung, Wertschätzung und Respekt. Dadurch wird auch die Wahrnehmung durch das Sinnesorgan „Haut“ des Kindes gefördert. Wir haben feste Wickelzeiten und wickeln zudem nach individueller Notwendigkeit.
Sauberkeitserziehung
Sauber zu werden, d.h. selbstständig zur Toilette zu gehen und keine Windel zu benötigen gestaltet sich bei jedem Kind individuell. Es ist ein großer Meilenstein in der Entwicklung und des Körperbewusstseins des Kindes. Ab dem ca. 2. Lebensjahr beginnen Kinder, eigenständig diesen Schritt gehen zu wollen bzw. Interesse zu zeigen. Wir geben jedem Kind jedoch die Zeit, die es braucht, um seinen eigenen Rhythmus zu finden. Wenn der Toilettengang erfolgreich war, loben wir das Kind und es darf sich einen Stempel auf seine Hand und auf das Blatt (Buch: Der kleine Klokönig) machen. Dieses wird dann im Portfolio Ordner abgeheftet. Darüber freuen sich die Kinder sehr und werden zeitgleich motiviert.
„Unfälle“ können in dieser Zeit immer mal wieder vorkommen. Deshalb sollte genügend Wechselwäsche in der Einrichtung deponiert werden.
Der regelmäßige Austausch mit den Eltern ist für uns in dieser sensiblen Phase des Kindes ein wichtiger Bestandteil unserer pädagogischen Arbeit.
Schlafen, Ruhen, Entspannung
Gerade in den ersten drei Lebensjahren brauchen Säuglinge und Kleinkinder im Alltag Ruhe- und Entspannungsphasen, die Möglichkeit zum ungestörten Schlafen. Das Schlafbedürfnis ist je nach Alter und Persönlichkeit des Kindes sehr unterschiedlich. Daher bieten feste Schlafenszeiten den Kindern Struktur und Orientierung im Tagesablauf. Jedoch ist es auch wichtig, dass jedes Kind dann schlafen und ruhen kann, wenn es das Bedürfnis danach hat. Die Kinder haben während des gesamten Tagesablaufes die Gelegenheit zum Schlafen, Entspannen und Ausruhen. Mit persönlichen und vertrauten Gegenständen von zu Hause (z.B. Kuscheltuch/decke, Schnuller oder Kuscheltier) können sich die Kinder ihren Rückzugsort individuell und gemütlicher gestalten. Außerdem verfügt die Krippe über eine Kamera, um die Kinder zusätzlich im Schlaf zu betreuen.